Invalidität als Chance.


Invalidität als Chance.

Er ist seit Jahren invalide. Zuerst musste ihm der linke Vorderfuss amputiert werden als Folge von Durchblutungsstörungen im linken Bein. Darnach konnte er nach längerem Spitalaufenthalt, zumindest wieder auf Krücken gestützt, erneut gehen.

Während des Aufenthaltes im Spital wurde er gründlich untersucht. Trotzdem er keine Herzbeschwerden hatte, wurde ihm empfohlen, einen Herzschrittmacher einsetzen zu lassen. Zuerst zögerte er lange, doch das Spital drängte darauf, die Operation durchzuführen. Bei dieser routinemäßigen Intervention passierte ein sogenannter Kunstfehler. Bei der Operation wurden Venen verletzt, das Blut zirkulierte nicht mehr richtig und zehn Tage darnach wurde ihm der rechte Vorderfuss amputiert.
Seither ist er an den Rollstuhl gebunden. Um das Gehen wieder zu ermöglichen, wurden Spezialschuhe hergestellt. Doch leider können die nicht eingesetzt werden, weil die Wunden an beiden Füssen nicht richtig verheilen. Der Grund dafür ist wieder die Arterienverkalkung in beiden Beinen.

Er wird also zeit seines Lebens rollstuhlabhängig bleiben. Und damit immobil. Das verursachte eine grundlegende Veränderung seiner Lebensweise. Er, der sich gewohnt war, viel zu reisen, muss jetzt für wenige Ausnahmen in seinem Studio verbringen. Er kann nicht einmal mehr allein auf seinen beliebten Balkon begeben. Die Wohnung verlässt er nur noch für Spital-Behandlungen, Physiotherapie-Sitzungen, Einkäufe und Restaurants Besuche. Sporadisch, so ein bis zwei Treffen im Jahr mit ehemaligen Arbeitskollegen.

Er hatte nach seiner Pensionierung und noch vor seiner Leidenszeit angefangen zu schreiben. Sein erstes „Werk“ war die Beschreibung seiner Wanderung, die er noch kurz vor der Pension getätigt hat. Er ist in zwölf Tagen von Zürich nach Genf marschiert. Das Buch mit dem Titel „Zürich-Genf direkt. Auf Wanderwegen“ umfasst 248 Seiten. Es folgte das bizarre Melodrama „Warten auf Gwendoline“. Auch hatte er schon von der Jugend an Gedichte, Aufsätze und Zeitungsartikel geschrieben.
Doch jetzt, als Invalider, hatte er Zeit, sich intensiver als freier Autor zu beschäftigen. Früher Geschriebenes wurde editiert und in einem Buch mit dem Titel „Funkengestöber“ zusammengefasst. Die Gedichte wurden bereinigt. Er trat dem Internet-Forum „Gedichts-Oase“ bei. Dort hat er bis jetzt 50 seiner Gedichte veröffentlicht.
Sein jüngerer Sohn ist, wie er, Informatiker. Als er während eines Besuches begann, über seine Zeiten in der IT zu erzählen, war der Sohn hell begeistert und er regte ihn an, diese Erlebnisse aus der Frühzeit der Computer doch niederzuschreiben.
Also schrieb er sein erstes Buch über Computer. Der Titel ist: „Mit dem Computer per DU“. Es folgten noch zwei Computerbücher auf Deutsch und zwei auf Englisch. Das Buch „The OTHER Computer History“ gewann eine Auszeichnung im Wettbewerb der Stiftung Kreatives Altern. Dann überarbeitet er das Buch der Wanderung, das jetzt unter dem Titel „Die Wanderung des älteren Herrn“ erschienen ist. Dann kam ein Buch zu einem ganz anderen Thema dazu. Er beschreibt seine dramatischen Erfahrungen als Angestellten-Vertreter in der Verwaltungs-Kommission seines Arbeitgebers (Titel: Die Rentenkiller). Jetzt ist er daran, die Beschreibung der Wanderung in gestraffter Form auf Englisch zu schreiben.

Soweit die ‚Facts‘

Zurück zum Titel: Invalidität als Chance.
Ohne sein Gebrechen hätte er sicher nicht so vieles geschrieben. Mit dem Schreiben wurde das nachdenken und nachgrübeln über seinen Zustand verdrängt. ‚‘Dank‘ seiner Invalidität hat sich sein Leben in dieser jetzt positiven Richtung entwickelt.
Ist im Leben alles Zufall oder ist es alles vorbestimmt?

Der Zufall ist in Schleier gehüllte Notwendigkeit (Maria von Ebener-Eschenbach).
Für Gläubige: Zufall ist, wenn Gott sich nicht zu erkennen geben will.

So nebenbei zum Thema Schicksal:
Gott würfelt nicht (Albert Einstein).

Für ihn war der schlechte Zufall eines missglückten Eingriffs die Wendung zu einem anderen Leben.

 



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